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Lebe deine Mehrsprachigkeit – mit mehr Zungen schmeckt man mehr

Reportage: Workshop Mehrsprachigkeit in den Medien und Audio-Beiträge für Blogs

Von Viktoria Balon

Wie viele Sprachen sprechen wir? Das war die erste Frage, die die 12 Teilnehmer des Workshops schon bei der Vorstellungsrunde beantworten sollten. Die Gruppe war vielfältig: drei Generationen, auch ein Vater mit seinem Sohn, waren dabei; manche mit journalistischen Erfahrungen und andere ganz ohne, alle aus unterschiedlichen Ländern. Zusammen kamen wir auf die stolze Zahl von 19 Sprachen, die wir beherrschen, sprechen oder mehr oder weniger verstehen können, wobei vier von uns zwei Muttersprachen haben, und sieben können vier oder mehr Sprachen verstehen.

Wie viele Sprachen sprechen wir? Das war die erste Frage, die die 12 Teilnehmer des Workshops schon bei der Vorstellungsrunde beantworten sollten. Die Gruppe war vielfältig: drei Generationen, auch ein Vater mit seinem Sohn, waren dabei; manche mit journalistischen Erfahrungen und andere ganz ohne, alle aus unterschiedlichen Ländern. Zusammen kamen wir auf die stolze Zahl von 19 Sprachen, die wir beherrschen, sprechen oder mehr oder weniger verstehen können, wobei vier von uns zwei Muttersprachen haben, und sieben können vier oder mehr Sprachen verstehen.

Die Fähigkeit eines Menschen mehr als eine Sprache zu sprechen ist für die Mehrheit der Weltbevölkerung selbstverständlich. Nach dem UNESCO World Culture Report aus dem Jahre 2000 haben 22% der untersuchten Länder zwei oder mehr offizielle Sprachen und nur 4% der Bevölkerung dieser Länder nutzt in ihrem Alltag nur eine Sprache. Die Mehrheit der Weltbevölkerung erlebt Sprachwechsel als eine alltägliche Angelegenheit.

Auch für unsere Workshop-Teilnehmer ist es nicht anders. Ob beim Schimpfen oder beim Gespräch mit Babys - also immer, wenn Emotionen hochkommen - wechseln sie in die Muttersprache, und wenn z.B. etwas konkret oder bestimmt gesagt werden muss in die Fremdsprache Deutsch. Und alle zählen in ihren eigenen Sprachen, weil es im Deutschen mit den zweistelligen Zahlen etwas verwirrend ist. (siehe Randspalte)

Unsere Gruppe ist als Gesamtheit nichts Besonderes und keine Ausnahme. Die Einwanderung der letzten Jahrzehnte in die Westeuropäischen Gesellschaften hat diese grundlegend verändert. Inzwischen benutzen weite Teile der Bevölkerung viele Sprachen. Das Vorstellung von einer absoluten Dominanz einer einzigen Sprache am jeweiligen Ort wird dieser Situation nicht gerecht. Die alte europäische Tradition der Viel- und Mehrsprachigkeit lebt wieder auf. Das ist der kulturelle Reichtum, den wir medial weiter leben lassen und fördern sollten. Mehrsprachige Medien sind schon deshalb wichtig, weil die Medien nicht nur informieren, sondern sie formieren und regulieren Normen und beeinflussen das Denken und Handeln der Menschen. Auf den Straßen und in der Straßenbahn hört man viele Sprachen, aber warum nicht im Radio oder Fernsehen? Und man denkt automatisch: Mehrsprachigkeit scheint ein Nachteil zu sein, irgendwie nicht normal. „So sterben die kleinen indigenen Sprachen“, sagt ein Teilnehmer des Workshops, „So vergessen Kinder ihre Muttersprache bei uns in Deutschland“, ergänzt eine Andere. Aber wo kann man als Migrant in den Medien seine Stärken einbringen? Wir haben einige Beispiele angehört, wo mit Akzenten gespielt wird. Hier sind sie:

Deutschkurs für türkische Mitbürger

Integrationstest

Der Anspruch der Perfektion in den Medien lässt die meisten Menschen Scheu davor empfinden, am Mikrofon oder gar vor der Kamera eine Sprache zu sprechen, die sie nicht sehr gut beherrschen. In unseren mehrsprachigen Workshops ging es gerade darum, den TeilnehmerInnen diese Scheu zu nehmen. Die Erfahrung, dass sich auch ein sprachlich nicht perfekter Film-O-Ton gut anhören kann, gibt ihnen mehr Selbstvertrauen im Umgang mit der fremden Mehrheitssprache.

Nachdem verschiedenen Techniken von Mehrsprachigkeit im Ton besprochen und gelernt wurden, haben die TeilnehmerInnen drei Gruppen gebildet, um Konzepte für Hörspiele/Spots/Minifeatures zu entwickeln. Zwei davon haben wir realisiert. (siehe Randspalte)

Eine andere Gruppe hat sich überlegt, was für jeden Einzelnen Sprache bedeutet – gibt es ein gemeinsames Bild? Und gemeinsam haben sie ein Bild gefunden, das in vielen Sprachen gleich ist. (siehe Randspalte)

Dieses Minifeature wurde am gleichen Abend in Radio Dreyeckland gesendet! Ein Erfolgserlebnis, das beweist: Wirklich, mit mehr Zungen schmeckt man mehr.

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